Zivilisationskrankheiten


Zivilisationskrankheiten
Zivilisationskrankheiten,
 
Erkrankungen, deren Ursachen in einer für Industrienationen typische Ernährungs- und Lebensweise liegen. Sie sind eine Folge der durch technischen Fortschritt und Umweltbedingungen hervorgerufenen Änderung des Lebensstils und der Ernährung. Hierzu zählen in Bezug auf die Ernährung v. a. eine den Bedarf überschreitende Energieaufnahme, ein vermehrter Verzehr verarbeiteter Lebensmittel sowie eine fettreiche und ballaststoffarme Kost. So hängen die erhöhte Zufuhr isolierter Kohlenhydrate (z. B. Zucker), der vermehrte Verbrauch von Lebensmitteln tierischer Herkunft mit einem hohen Fett- und Proteingehalt sowie übermäßiger Alkoholkonsum ursächlich mit der Entstehung von Zivilisationskrankheiten zusammen. Der erhöhten Nahrungsenergiedichte und -zufuhr steht ein Mangel an körperlicher Bewegung gegenüber.
 
Hauptformen der Zivilisationskrankheiten sind die ernährungsabhängigen Erkrankungen, v. a. Übergewicht, Fettsucht und deren Folgeprobleme. Insbesondere Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Arteriosklerose sowie koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und periphere Durchblutungsstörungen sind weit verbreitet und stellen die wichtigsten Todesursachen in Deutschland dar. Außerdem können einige Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten als (zum Teil ernährungsabhängige) Zivilisationskrankheiten bezeichnet werden. Zu den Zivilisationskrankheiten zählen Krebs, Stoffwechselkrankheiten (Diabetes mellitus Typ II, Gicht, Struma, Gallen- und Nierenerkrankungen), Gebiss- und Skelettschäden (Zahnkaries, Bandscheiben- und Gelenkschäden, rheumatische Erkrankungen, Osteoporose), Erkrankungen des Verdauungssystems (Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Verstopfung, Hämorrhoiden und Darmdivertikel) sowie Bindegewebs- und Venenschwäche (Krampfadern). Auch der Genussmittel- und Arzneimittelmissbrauch wird den Zivilisationskrankheiten zugeordnet. Zu den Folgeproblemen des Rauchens und des Alkoholmissbrauchs gehören v. a. Tumorerkrankungen der Atemwege sowie chronische Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen.
 
Psychosomatische Beschwerden (besonders Migräne, Schlaf- oder Essstörungen) und Störungen stehen auch mit den Anforderungen der modernen Leistungsgesellschaft (z. B. permanenter Stress) in Verbindung.
 
Als Grundproblem wird ein Missverhältnis zwischen den modernen Lebensbedingungen, besonders der Ernährung, und den ererbten anatomischen und physiologischen Gegebenheiten und den psychosozialen Möglichkeiten des Menschen gesehen.
 
Trotz der ständigen Weiterentwicklung in Medizin und Medizintechnik sind die gesundheitlichen Probleme durch Behandlung allein nicht lösbar. Deshalb sind zur Förderung eines gesundheitsbewussteren Verhaltens eine konsequente Gesundheitsaufklärung und Präventionsmaßnahmen, besonders im Hinblick auf ausgewogene Ernährung, Bewegung und Entspannung, erforderlich.
 
 
A. von Haller: Gefährdete Menschheit. Ursache u. Verhütung der Degeneration (91997);
 M. Herlyn: Z. u. ganzheitl. Gesundheitsförderung (1997).

Universal-Lexikon. 2012.

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